FOTOTIPS

Es muß nicht gleich eine teure Spiegelreflex sein, schon mit einer guten digitalen Kompaktkamera lassen sich recht ordentliche Ergebnisse erzielen.

Eine Kamera sieht grundsätzlich anders als das menschliche Auge! Das Auge passt sich hohen Kontrasten wie hellen Stellen oder dunklen Schatten rasch an. Die Kamera kann jedoch nur auf eines belichtet werden - entweder auf die dunklen Bereiche, womit die hellen überbelichtet werden und strukturlos weiß erscheinen; oder eben auf die hellen Bereiche, wobei die dunklen Stellen unterbelichtet werden und schwarz erscheinen. Hier muß jeder vor der Aufnahme entscheiden, welche Stellen wichtiger sind und auf diese korrekt belichten.

Bei Himmelsaufnahmen sollte die Belichtung in den hellen Stellen des Himmels gemessen werden. Niemals in die Sonne hinein, da dies zu Fehlmessungen und zu stark unterbelichteten Bildern führt. Grundsätzlich sollten immer mehrere Bilder mit leicht unterschiedlichen Belichtungszeiten gemacht werden. Viele Digitalkameras haben eine Belichtungskorrektur. Mit dieser kann eine Aufnahme absichtlich Über- oder Unterbelichten werden, meist in 1/3 Blendenstufen.

Wenn man Wolken im Gegenlicht fotografiert, wird die automatische Belichtungsmessung der Kamera oft zu unterbelichteten Bildern führen, da der Belichtungsmesser auf ein neutrales Grau geeicht ist. In diesem Fall macht man am besten zwei weitere Bilder, das erste mit 1/3 und das zweite mit 2/3 Blendenstufen Überbelichtung. Auch bei Schnee sollte man zusätzliche Bilder mit leichter Überbelichtung machen.

Bei einem Himmel mit sattweißen Cumuluswolken kann es dagegen passieren, dass diese auf dem Bild zu hell erscheinen, also ausbrennen d. h. keine Strukturen mehr zeigen. In diesem Fall sollte man zwei weitere Bilder mit 1/3 und 2/3 Blendenstufen Unterbelichtung machen.

Besonders die Kompaktkameras neigen bei Einstellung einer höheren ISO-Zahl (Lichtempfindlichkeit) schnell zu Bildrauschen. Im Normalfall wird der ISO-Wert automatisch eingestellt. Bei weniger Licht wird dieser von der Kamera erhöht, was ein stärkeres Bildrauschen zur Folge hat. Bei den meisten Kameras läßt sich der ISO-Wert als Festwert einstellen. Hier stellt man am besten einen geringen von ISO 80 oder 100 ein. Bei Himmelsaufnahmen am Tage ist das völlig ausreichend. Bei etwas weniger Licht und unbeweglichen Motiven benutzt man besser ein Stativ und nimmt längere Belichtungszeiten in Kauf. Besonders Himmelsaufnahmen in der Dämmerung werden dadurch erheblich sauberer.


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Starkes Bildrauschen bei hohen ISO-Wert (links)
Geringes Bildrauschen bei kleinen ISO-Wert (rechts)


Auch sollte man nicht die größte Blende (kleinster Wert) benutzen, da dann die Bildqualität in den Bildecken stark verschlechtert wird. Typische Zeichen sind Vignettierungen, also deutlich dunklere Bildecken was unschön aussieht. Besonders bei Himmelsaufnahmen macht sich dies sehr störend bemerkbar. Am besten arbeitet man mit mittleren Blenden. Wenn die Belichtungszeiten zu lang werden benutzt man besser ein Stativ. Bei rasch ziehenden Wolken können diese dann aber unscharf abgebildet werden. In diesem Fall ist ein Kompromiß nötig mit einer höheren ISO-Zahl.


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Bilder mit deutlicher Vignettierung


Einfache Aufnahmen des Sternenhimmels sind ebenfalls schon mit Kompaktkameras möglich. Man benötigt allerdings eine Kamera, bei der man den Fokus manuell einstellen kann. Entweder stellt man den Fokus auf Unendlich, oder man richtet die Kamera auf einen sehr hellen Stern oder den Mond (sofern vorhanden) und stellt manuell die Schärfe ein. Die Kamera muß auf ein Stativ gesetzt werden und mit Belichtungszeiten zwischen 10 bis 20 Sekunden lassen sich alle Sterne abbilden, die man mit dem bloßem Auge sieht. Dazu muß die Lichtempfindlichkeit an der Kamera auf mindestens 400 ISO eingestellt werden, sonst wird man kaum etwas auf den Fotos sehen.

Bei längeren Belichtungszeiten als 20 Sekunden werden die Sterne durch die Erddrehung nicht mehr punktförmig sondern als mehr oder weniger lange Striche abgebildet. Daher sollte die Blende für Sternaufnahmen weit offen sein. Man kann anschließend mit dem nächstkleineren Blendenwert eine weitere Aufnahme probieren. Wegen der Erddrehung läßt sich die Belichtungszeit nicht verlängern, da man sonst statt runde Sterne Eier oder Striche auf dem Bild erhält.


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Aufnahme des Sternbildes Orion mit einer digitalen Kompaktkamera
Belichtungszeit etwa 20 Sekunden


Bei Leuchtenden Nachtwolken und Polarlichter ist genauso zu verfahren wie bei Sternaufnahmen. Bei Polarlichter können die Belichtungszeiten auch länger wie 20 Sekunden sein, weil es hier auf eine punktförmige Abbildung der Sterne nicht mehr so genau ankommt. Mit einer digitalen Spiegelreflexkamera hat man natürlich mehr Möglichkeiten und vor allem ein geringeres Bildrauschen bei höheren ISO-Werten.



Schwarzweiss

Bei Schwarzweiss werden die Farben in Graustufen (Helligkeitsstufen) umgewandelt. Für Schwarzweiss muß man daher ein Auge entwickeln um zu sehen, welche Motive geeignet sind und welche nicht. Motive die sich durch unterschiedliche Farben stark voneinander abheben können in Schwarzweiss flach und belanglos wirken, wenn die Farben ähnliche Helligkeitswerte haben: Man erhält einen grauen, konturlosen Brei. Schwarzweiss verlangt also ein anderes Sehen als Farbe.

Schwarzweissfotos brauchen den Kontrast zwischen Licht und Schatten, damit sich die einzelnen Teile eines Motivs genügend voneinander abheben. Hier kommt es mehr auf Formen, Strukuren und Lichtkontraste an. Bei Schwarzweiss wird durch die fehlende Farbe der Blick mehr auf die Strukturen gelenkt, die so besser zur Geltung kommen: Das Bild wird auf das Wesentliche reduziert. Wenn die Kontraste stimmen, wirkt vieles in Schwarzweiss wegen der fehlenden Farbe deutlich plastischer und dramatischer. Beispiele sind kontrastreiche Wolkenstrukturen, besonders bei Seiten- oder Gegenlicht, Wirkungen von Wasser und Wind an der See z. B. Strukturen im Sand, oder Lichteinfälle in einem Wald.

Bei Schwarzweissbildern nehm ich meist Änderungen an der Tonwertkurve vor, um kontrastreiche Bilder zu erhalten. Das Bild unten zeigt eine Tonkurve für Schwarzweiss. Links unten sind die dunklen Grautöne und rechts oben die hellen. Die Kurve verläuft linear d. h. es wurden keine Grautöne verändert.

tonkurve_normal.gif

Jetzt wollen wir die Tonkurve mit der Maus verändern, also bestimmte Bereiche von Grautönen anheben oder absenken. Das wird anhand eines Beispielbildes zusammen mit der Tonkurve gezeigt:


Das unbearbeitete Schwarzweissbild:

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Anhebung der mittleren Grautöne:

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Absenkung der mittleren Grautöne:

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Anhebung der dunklen Grautöne:

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Absenkung der dunklen Grautöne:

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Anhebung der hellen Grautöne:

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Absenkung der hellen Grautöne:

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Absenkung der dunklen und Anhebung der hellen Grautöne (Kontrastverstärkung):

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Die eben gezeigte Kontrastverstärkung nehm ich am häufigsten bei Schwarzweissbildern vor. Man erhält auf diese Weise kräftig aussehende Schwarzweissbilder. Nur Übertreiben sollte man damit nicht. Werden Teile der Tonkurve zu stark angehoben oder abgesenkt, erhält man pixelige Bilder. Hier sollte man ein wenig Probieren.

Eine weitere Möglichkeit ist die Kanaltrennung. Bei ihr wird ein Farbbild in die einzelnen Farbkanäle aufgeteilt. Es werden drei Schwarzweissbilder erzeugt, welche je die Helligkeitswerte der Roten, Grünen und Blauen Anteile in einem Schwarzweissbild zeigen.


Zunächst das Farbbild:

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Rot-Kanal: Der blaue Himmel erscheint recht dunkel was einen guten Kontrast zu den Wolken ergibt. Grün wird leicht abgedunkelt.

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Grün-Kanal: Grün wird etwas heller und kräftig wiedergegeben.

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Blau-Kanal: Der blaue Himmel erscheint recht hell. Grün wird stark abgedunkelt.

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Daneben gibt es noch die Bezeichungen Low-Key und High-Key. Als Low-Key bezeichnet man Fotos, bei denen überwiegend dunkle bis schwarze Grautöne vorherrschen. Nur wenige Stellen im Bild sind hell, die meist einen intensiven Kontrast zu dem restlichem Dunkel bilden. Ein Beispiel ist ein Objekt, das in einem dunklem Raum von einigen Lichtstrahlen getroffen wird, wobei nur ein kleiner Teil des Objektes hell aufleuchtet und der Rest im Dunkeln versinkt. Low-Key Fotos haben eine gewisse Schwere, sind mystisch, geheimnisvoll und haben eine große Dramatik.


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Im Gegensatz dazu herrschen bei High-Key helle Grautöne im Bild vor. Das Licht ist weich und das Objekt oder Motiv enthält nur wenige dunkle Stellen. Die Kontraste sind meist niedrig. Einige dunkle Stellen verstärken die Wirkung des Bildes. Ein Beispiel sind Aufnahmen im dichtem Nebel.


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Analoge Fotografie

Da ich in den 80er und 90er Jahren mit Kleinbild-Spiegelreflexkameras gearbeitet habe, sind in dieser Zeit einige Erfahrungen entstanden. Meist habe ich die Belichtung manuell mit der Kamera gemessen und die angezeigten Werte an der Kamera eingestellt, aber auch nicht immer. Wenn man längere Zeit fotografiert weiß man, wann Belichtungskorrekturen nötig sind und diese habe ich immer sofort an der Kamera vorgenommen.

Weiterhin ist die Frage, welche Art von Film es sein soll: Negativ- oder Diafilm? Vom Negativfilme lassen sich besser Abzüge herstellen und er ist etwas toleranter was falsche Belichtung angeht, denn leichte Unter- oder Überbelichtung lassen sich beim Herstellen des Abzuges etwas ausgleichen.

Der Diafilm ist dagegen etwas teurer als ein Negativfilm und muß genau belichtet werden. Fehlbelichtungen lassen sich nicht mehr ausgleichen. Aber auch von einem Dia lassen sich Abzüge herstellen. Bei beiden Filmarten gilt, dass ein empfindlicherer Film (höhere ISO-Zahl) ein groberes Filmkorn ergibt. Für Tagaufnahmen sollte man daher Filme mit geringer Empfindlichkeit von z. B. 100 oder 50 ISO benutzen, da diese ein sehr feines Korn und eine gute Schärfe haben.

Bei Sonnenauf- oder untergängen läßt sich durch eine leichte Unterbelichtung eine Sättigung der Farben erreichen. Bei Tage sollte man grundsätzlich mit kleineren Blenden arbeiten z. B. 8 oder 11, denn das verhindert eine Vignettierung (dunklere Bildecken) und ergibt kontrastreichere Bilder. Bei unbeweglichen Motiven darf die Belichtungszeit ruhig etwas länger werden, wenn man ein Stativ benutzt. Bei schwachem Licht oder bewegten Motiven ist aber ein Kompromiß nötig, entweder eine größere Blende oder ein lichtempfindlicherer Film, der aber auch ein wiederum gröberes Korn hat.


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Das war die gute alte analoge Spiegelrelfexkamera


Aufnahmen des Nachthimmels sind weiter oben beschrieben worden. Über 20 Jahre lang habe ich solche Aufnahmen mit einer analogen Spiegelreflexkamera gemacht. Dazu wird die Kamera auf ein Stativ gesetzt und ein Drahtauslöser verwendet. Die Filmempfindlichkeit sollte 200 oder 400 ISO betragen. Die Blende wird fast ganz geöffnet - bei Normal- oder Weitwinkelobjektiven z. B. auf 2,8. Bei sehr lichtstarken Objektiven bleibt man besser bei Blende 2,8 um nicht zu starke Bildverschlechterungen in den Bildecken zu bekommen. Der Fokus wird am Objektiv manuell auf unendlich gestellt. Bei 20 Sekunden Belichtungszeit werden alle Sterne abgebildet, die man mit dem bloßem Auge sieht. Bei Polarlichtern und Leuchtenden Nachtwolken dürfen die Belichtungszeiten auch länger sein, wobei man hier immer mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungszeiten machen sollte.

© Copyright: 2017-2018 Mario Lehwald