MÜHLEN

Mühlen sind faszinierende Zeitzeugen und waren einmal überlebenswichtig. Meist wurden sie als Getreidemühlen verwendet, d. h. um Korn zu Mehl zu mahlen. Einige Mühlen dienten auch als Wasserpumpe, um Polder zu entwässern wie z. B. die Mühle "Charlotte" an der Geltinger Birk. Bei Elmshorn gab es sogar eine Mühle, die zum Antrieb einer Holzsäge benutzt wurde. Bekannt war auch die Gipsmühle direkt am Kalkberg in Bad Segeberg, die lange das Wahrzeichen der Stadt war und für das Zermahlen von Gips benutzt wurde.

In Kiel-Suchsdorf gab es auch einmal eine Mühle. Diese Windmühle wurde 1841 von A. J. Kühl an der Eckernförder Chaussee gebaut. Im Jahr 1890 ist die Mühle abgebrannt. Daraufhin baute E. A. Matz aus Osdorf neben der abgebrannten Suchsdorfer Mühle eine neue mit zweistöckigem Unterbau und Jalousieklappenflügel. 1921 ging diese Mühle in den Besitz der Familie Greve über und wurde 1957 teilweise abgebrochen.

In meiner Grundschulzeit Ende der 70er Jahre war der untere Teil der Mühle noch vorhanden, auf dem Gelände des heutigen Edeka-Marktes. Auf dem Schulweg sah ich sie oft. Kurze Zeit später wurde die Eckernförder Straße auf vier Spuren ausgebaut, und durch den Bau des Vorgängers des heutigen Edeka-Marktes (ENO) die Mühle abgerissen.


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Ein selten gewordenes Landschaftsbild - hier mit der Windmühle bei Klein-Barkau


Auf alten Fotos oder Stichen fiel mir später auf, dass oftmals eine Mühle im Hintergrund zu sehen war. Diese Bauwerke gehörten damals zum Landschaftsbild wie heute die Funkmasten. Nach meiner Schulzeit fiel mir das kleine "Heimatbuch Suchsdorf" in die Hände, welches 1959 vom Magistrat der Stadt Kiel und vom Ortsbeirat Suchsdorf herausgegeben wurde. Dort konnte man die ehemalige Windmühle mit den Flügeln an der Eckernförder Chaussee auf Schwarzweissfotos bewundern.

Mein Opa, der damals auf einem Holzbauhof in Russee wohnte, hatte bis in die 70er Jahre Gartenmühlen aus Holz gebaut. Eine davon stand bis etwa 1982 in unserem Garten. Wozu dieses kleine silberne Rad neben der Kappe war, wußte ich damals noch nicht. Leider kam diese Mühle etwa Mitte der 80er Jahre völlig verrottet in den Sperrmüll. In der Wohnung des Opas hingen damals mehrere Bilder von Gartenmühlen an der Wand, die er vermutlich ebenfalls gebaut hatte.


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Der Autor im Jahr 1976 neben der von seinem Opa gebauten Mühle (links)
Foto einer weiteren vermutlich vom Opa des Autors gebauten Mühle (rechts)


Im Jahr 1998 fuhr ich mit ein paar Freunden von der Sternwarte Kronshagen nach Wisch bei Laboe. Auf der Fahrt dorthin fiel mir eine Mühle bei Krokau auf. Im Juli 2003 wollte ich den Leuchtturm Kalkgrund in der Flensburger Förde von Land fotografieren. Der Weg an der Geltinger Birk führte direkt an der Mühle Charlotte vorbei, von der ich ebenfalls ein Bild machte.

Im Herbst 2017 sah ich abends ab und zu in das "Heimatbuch Suchsdorf". Und immer wieder fiel der Blick auf das alte Foto der ehemaligen Windmühle an der Eckernförder Chaussee. Ich beschloss in den nächsten Tagen eine Windmühle zu besuchen und zu fotografieren, aber in Farbe. Die "Charlotte" war schon recht weit, gab es vielleicht etwas näheres? Und da kam mir die Mühle bei Wisch wieder in den Sinn. Es war neben der "Charlotte" in der Geltinger Birk die einzige, die ich kannte. Mitte November gab es einen schönen Spätherbsttag. Ich fuhr los und fand schließlich die Windmühle Krokau, wie sie offiziell heißt. Es entstanden an diesem schönen Nachmittag sehr gute Fotos. Per Web fand ich weitere noch vorhandene Mühlen, die ich bald besuchte: Die Windmühle bei Klein-Barkau, die landschaftlich besonders eindrucksvoll liegt, die Windmühle in Gettorf, die Windmühle Auguste in Groß-Wittensee und die Windmühle Sventana bei Ascheberg, um nur einige zu nennen.


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Windmühle Krokau (links)
Windmühle "Auguste" in Groß-Wittensee (rechts)


Bald erfuhr ich von dem Deutschen Mühlentag, der immer am Pfingstmontag stattfindet. Der nächste war am 21. Mai 2018. Dieser Tag wurde schon mal festgelegt, aber zu welcher Mühle sollte es gehen? Es sollte eine sein, die noch betriebsfähig ist und so entschied ich mich für die Krokauer Mühle. Als ich dort am frühen Nachmittag ankam, drehten sich bereits ihre Flügel. Es war das erste Mal, dass ich eine Windmühle in Betrieb sah. Im Innern lief der Mahlgang und die großen Holzräder drehten sich und brachten die Mühle in spürbare Vibration. Es entstanden sehr viele Filmaufnahmen an diesem Nachmittag. Im weiteren Verlauf besuchte ich diese Mühle ab und zu und es entstanden weitere Fotos und Videos.



Die ersten Mühlen in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein, dem Land zwischen den Meeren, weht fast immer Wind. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn hier einst so viele Windmühlen vorhanden waren. Windmühlen gehörten fest zum Landschaftsbild von Schleswig-Holstein, so wie in den Alpen die Berge.

Die ersten Windmühlen wurden in Schleswig-Holstein im 13. Jahrhundert errichtet und waren Bockmühlen. Bei diesem Mühlentyp steht das rechteckige Mühlengebäude auf einen Bock und ist drehbar, so dass die Flügel immer in den Wind gedreht werden können. Die erste dieser Bockwindmühlen in Schleswig-Holstein ist im Jahr 1235 erwähnt. Allerdings war die Leistung der Bockwindmühlen bedingt durch ihre Bauweise begrenzt.


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Die einzige noch vorhandene Bockwindmühle in Schleswig-Holstein
befindet sich im Freilichtmuseum Molfsee


Im 16. Jahrhundert wurde in Holland die Holländerwindmühle erfunden, bei der nur noch die Haube oder Kappe gedreht werden mußte, um die Flügel in den Wind zu bekommen. Sie breitete sich anschließend zuerst in Holland und dann in Norddeutschland aus und verdrängte die Bockwindmühlen. Die Holländerwindmühle hatte erhebliche Vorteile gegenüber der Bockwindmühle. Sie war deutlich standfester und leistungsfähiger und es mußte nur noch die Kappe in den Wind gedreht anstatt das ganze Mühlengebäude. Im Jahr 1947 wurde in Damp die letzte Bockwindmühle in Schleswig-Holstein abgebrochen. Die einzige noch vorhandene Bockwindmühle in Schleswig-Holstein kann man im Freilichtmuseum Molfsee bewundern.



Der Mühlenzwang

Der Bau von Windmühlen unterlag damals den Landesherren. Flüsse und der Luftraum und damit auch der Wind wurden als Eigentum der Landesherren angesehen und durften nur mit ihrem Einverständnis und der Zahlung einer Pacht genutzt werden. Mühlen waren daher Anlagen der Landesherren und wurden in Pacht vergeben. Die Landesherren bezogen aus der Verpachtung ihrer Mühlen Einnahmen.

Jeder Mühle wurde ein bestimmtes Gebiet zugeordnet, und die Bauern in diesem Gebiet durften nur bei dieser einen Mühle ihr Korn malen lassen. Dieser Mühlenzwang wurde in Schleswig im Jahr 1852 und in Holstein im Jahr 1854 aufgehoben. In dieser Zeit gab es in Schleswig-Holstein etwa 430 Mühlen. Einige davon wurden privat betrieben, aber die Besitzer mußten an den Landesherren ein Windgeld abgeben.

Nach der Aufhebung des Mühlenzwanges war der Betrieb einer privaten Windmühle weiterhin von einer Konzession abhängig. Als im Jahr 1869 die Gewerbefreiheit eingeführt wurde, nahm die Anzahl der Windmühlen rapide zu, da von privater Seite viele neue Mühlen gebaut, so dass um 1890 in Schleswig-Holstein etwa 1200 Mühlen standen.


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Holländerwindmühlen gehörten einst zum Landschaftsbild von Schleswig-Holstein
hier die wieder betriebsfähige Windmühle "Sventana" bei Ascheberg


Nach 1900 entwickelten sich zunächst mit Dampf und später mit Strom betriebene Großmühlenbetriebe und bildeten eine immer stärkere Konkurrenz der Windmühlen. Nach dem ersten Weltkrieg in den 1920er Jahren wurden auch die ländlichen Gegenden elektrifiziert. Das Mühlensterben begann und viele Mühlen wurden abgebrochen. Ende der 30er Jahre ist die Zahl der Mühlen in Schleswig-Holstein auf etwa 200 zurückgegangen.

Im zweiten Weltkrieg wurden viele Großmühlenbetriebe und Transportwege zerstört. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die noch vorhandenen Windmühlen, die den Krieg überstanden haben, auf Hochtouren genutzt um die hungernde Bevölkerung so gut es ging zumindest mit der Grundlage Mehl zu versorgen. Bei den Windmühlen gab es eine neue Blütezeit, denn diese konnten sich vor Aufträgen kaum noch retten.



Das Mühlengesetz

In den 1950er Jahren war der Wiederaufbau in vollen Zügen und die elektrisch betriebenen Großmühlenbetriebe faßten langsam Fuss. Das Wirtschaftswunder setzte ein und die Technisierung nahm zu. Es begann ein erneutes Mühlensterben und die ländliche Müllerei ging allmählich zugrunde, da immer mehr die Großmühlenbetriebe nutzten.

Um windunabhängig die Erträge an Mehl und Brot sicherzustellen wurde schließlich im Jahr 1955 die Neuerrichtung von Mühlen verboten. Im Jahr 1957 wurde ein Mühlengesetz verabschiedet, das Gesetz über die Errichtung, Inbetriebnahme, Verlegung, Erweiterung und Finanzierung der Stillegung von Mühlen, das 1959 geändert und 1965 neu verfasst wurde. In diesem Gesetz hieß es, dass Mühlenbesitzern und Müllern eine staatliche Prämie gezahlt wird, wenn sie ihre stillgelegte Mühle mindestens 30 Jahre lang nicht mehr betreiben. Damit wurde das Mühlensterben noch erheblich vorangetrieben. Eine Mühle nach der anderen wurde stillgelegt und danach setzte der Verfall ein. So wurden viele Mühlen ab den 1960er Jahren nicht mehr betrieben und rotteten langsam vor sich hin. Viele Mühlen sind später abgerissen wurden, so auch einige im Bereich von Kiel. Das Mühlengesetz wurde erst 1972 durch ein anderes ersetzt. Auch der Beruf des Windmühlenbauers war damit erloschen und wurde aus der Handwerkskammer gestrichen.

Zum Glück haben nicht alle Mühlen dieses Schicksal erleidet. In den 1970er Jahren kam es langsam zu einer Rückbesinnung und ein Umdenken setzte ein. Die Windmühle ist vor allem ein Kulturdenkmal von hohem Wert. Die noch verbliebenen Windmühlen wurden nach und nach in mühsamer Arbeit restauriert bzw. einige sogar neu aufgebaut. Es haben sich Vereine gebildet, die diese Arbeit in Eigenregie und mit fremder Hilfe sowie mit Zuschüssen und Spenden geleistet haben. So gibt es in Schleswig-Holstein von den einst 1200 Mühlen noch etwa 45, welche die Zeit überlebt haben und zum größten Teil restauriert wurden. Aber nur noch wenige davon sind komplett funktions- und mahlfähig wie die Windmühle in Krokau, die Windmühle Nicola in Schleswig, die Windmühle Sventana in Ascheberg, die Windmühle Auguste in Groß-Wittensee oder die Windmühle Renata in Sörup-Schwensby. Andere Mühlen sind zwar erhalten, aber nicht mehr funktionsfähig. Bei einigen Mühlen ist nur noch das Gebäude ohne die Flügel vorhanden.

So sind von den einst so zahlreich vorhandenen Windmühlen in Schleswig-Holstein nur noch wenige vorhanden. Auf alten Fotos oder Ansichtskarten kann man sie aber noch bewundern und einen Hauch der alten Zeit spüren. Mühlen waren heute wie auch schon früher geheimnisvolle und romantische Orte.



Mühlenarten

Die älteste Form ist die Bockwindmühle, die seit etwa dem 12. Jahrhundert bekannt ist. Hier ist das gesamte Gebäude drehbar auf einem Bock gelagert. Um die Mühle in den Wind zu drehen, mußte das gesamte Gebäude gedreht werden.


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Bockwindmühle im Freilichtmuseum Molfsee


Die Turmwindmühle besteht aus einen aus Stein aufgebauten Turm mit einer Dachkappe, in der die Flügel eingesetzt sind. Da bei diesem Mühlentyp die Kappe nicht drehbar ist, wurden die Flügel nach der Hauptwindrichtung ausgerichtet.

Die Kokerwindmühle ist eine Weiterentwicklung der Bockwindmühle. Der Bock ist hier geschlossen und sitzt auf einen Sockel aus Holz oder Stein. Durch den Bock wurde von oben die Königswelle geführt. Das obere Mühlengehäuse ist deutlich kleiner als bei der Bockwindmühle und kann um die Königswelle herumgedreht werden.


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Spinnkopfmühle im Freilichtmuseum Molfsee


Die häufigste und bekannteste Form ist die Holländerwindmühle. Bei dieser Art von Windmühle braucht nur die Haube oder Kappe gedreht zu werden. Als Erfinder der drehbaren Haube wird heute der Holländer Jan Adriaanszoon Leeghwater (1575 bis 1650) angesehen. Ab dem 16. Jahrhundert breitete sich dieser Mühlentyp immer mehr aus. Bei der Holländerwindmühle werden verschiedene Arten unterschieden.



Arten der Holländerwindmühle

Der Erdholländer ist auch als Grundsegler bekannt. Er besitzt kein steinernes Grundgeschoss und die Flügelenden befinden sich nahe des Erdbodens.


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Erdholländer (Windmühle Charlotte)


Der Sockelgeschossholländer besitzt ein steinernes Grundgeschoss.

Der Galerieholländer besitzt einen umlaufenden Balkon, auch Galerie genannt. Nur von der Galerie aus konnte man wegen der grösseren Höhe der Mühle die Flügel erreichen und die Mechanismen bedienen, um die Haube in den Wind zu drehen.


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Galerieholländer im Freilichtmuseum Molfsee


Der Wallholländer oder Bergholländer wurde auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut. Dadurch befanden sich die Flügel höher im Wind, konnten aber vom Erdwall aus erreicht werden.

Der Durchfahrtholländer oder Kellerholländer wurde ebenfalls auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut, in dessen Mitte eine Durchfahrt in Form eines Tunnels gebaut wurde. So konnten Transportfahrzeuge direkt unter die Mühle fahren, um die Getreidesäcke zu verladen.


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Kellerholländer (Windmühle Krokau)


Der Turmholländer wurde konisch aus Steinen gemauert, wobei im Gegensatz zur Turmwindmühle die Haube drehbar ist.

Daneben gibt es auch Mischformen. Es gibt z. B. Gallerieholländer mit einer Durchfahrt. Eine besondere Form ist der Dachholländer. Das ist eine Holländerwindmühle, die auf ein anderes Gebäude aufgebaut ist.



Antriebstechnik

Die folgende Grafik zeigt das Innenleben der Britzer Mühle und stammt von Wikipedia.


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Innenansicht Britzer Windmühle
Quelle: Wikipedia


01 Steinerner Unterbau 02 Galerie 03 Mehlrohr 04 Mahlgang
05 Stirnrad 06 Stockrad 07 Königswelle 08 Sackaufzug
09 Hebetisch 10 Obenbunkler 11 Drehkranz 12 Spinne zur Jalousiesteuerung
13 Ruten mit Jalousien 14 Flügelwelle 15 Obenkammrad 16 Windrose

Im Innern der Mühle sitzt auf der horizontalen Flügelwelle (14) das Obenkammrad (15). Von diesem wird die Bewegungsenergie über den Obenbunkler (10) auf eine vertikal stehende Welle, die sogenannte Königswelle (07) übertragen. Im unteren Teil der Königswelle sitzt das Stirn- oder Königsrad (05), welches die Bewegung auf ein Korb- oder Stockrad einer zweiten vertikale stehenden Welle überträgt. Am unteren Ende dieser zweiten Welle befindet sich der Mahlstein (04). Oft sind weitere Einrichtungen vorhanden, die mit der Energie der Flügelwelle angetrieben werden, z. B. der Sackaufzug (08).


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Das Obenkammrad, der Obenbunkler (rechts unten)
und die Flügelwelle (rechts oben)

(Windmühle Schwensby)


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Stirnrad in der Windmühle Schwensby
Man glaubt gar nicht, wie groß das Ding ist...



Der Mahlgang

Der Mahlgang ist das Herzstück einer Getreidemühle. Der Mahlgang besteht aus einem fest liegenden Bodenstein und dem sich drehenden Läuferstein. Beide Steine befinden sich in einer trommelförmigen Holzverkleidung, der Bütte. Die Bütte hält Ungeziefer vom Mehl weg und verhindert die Ausbreitung von Staub in der Mühle durch das Mahlen.


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Die Bütte mit dem Mahlstein
(Windmühle Krokau)


Angetrieben wird der Mahlstein von einer senkrechten Welle, dem Klüver. Am oberen Ende des Klüvers befindet sich ein Korbrad, welches vom Stirnrad angetrieben wird. In einigen Mühlen sind auch mehrere Mahlgänge parallel geschaltet.


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Das Stirnrad (links) und das Korbrad des Mahlgangs mit dem Klüver (rechts)
(Windmühle Krokau)


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Das Korbrad des Mahlgangs
(Windmühle Krokau)


Auf der Bütte befindet sich die Einschüttvorrichtung, in der das zu mahlende Korn eingeschüttet wird, sowie der Rüttelschuh. An einem Arm des Rüttelschuhs ist ein Knaggen angebracht. Das vierkantige Eisen des Klüvers stößt ständig gegen den Knaggen. Durch dieses Rütteln fließt ständig etwas Getreide in das Auge des Mahlsteins und dabei entsteht auch das bekannte Klappern der Mühle.


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Die Einschüttvorrichtung, rechts oben kommt das Korn hinein
(Windmühle Krokau)


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Blick in die Einschüttvorrichtung mit dem zu mahlenden Korn
(Windmühle Krokau)


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Hier ist der Rüttelschuh außer Betrieb
(Windmühle Krokau)


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Hier ist der Rüttelschuh in Betrieb
(Windmühle Krokau)


Durch das Drehen des Mahlsteins und durch Fliehkräfte wird das gemahlene Korn nach außen befördert und rieselt durch ein Loch in der Bütte in die Mehlpfeife und von dort in einem Sack.


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Die Mehlpfeife
(Windmühle Krokau)


Mitunter wurden auch zwei oder drei Mahlgänge parallel betrieben. Das Bild unten zeigt das große Stirnrad, welches zwei Korbräder antreibt. Hier werden also zwei Mahlgänge parallel betrieben.


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Hier treibt das große Stirnrad zwei Mahlgänge an
(Wassermühle Molfsee)



Der Regulator

Je nachdem wie stark der Wind weht, dreht sich die Flügelwelle und damit auch der Mahlstein mal mehr und mal weniger schnell. Dreht sich der Mahlstein schneller, wird das Korn schneller nach außen befördert. Um diese Unterschiede auszugleichen, ist ein Regulator vorhanden, der über einen Riemen von der Königswelle angetrieben wird. Der Regulator besteht aus zwei Kugeln. Wird die Drehgeschwindigkeit höher, gehen die beiden Kugeln bedingt durch die Fliehkraft weiter auseinander. Durch ein Hebemechanismus wird der Abstand zwischen dem Bodenstein und dem Läuferstein um wenige Zehntel Millimeter verringert.


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Der Regulator
(Windmühle Krokau)



Die drehbare Haube

Die Flügel sind schräge Flächen d. h. die Flügel müssen in den Wind gedreht werden, dass der Wind von vorne senkrecht auf die Drehebene weht.

Grundsätzlich unterscheidet man Innenkrüher und Außenkrüher. Innenkrüher oder Binnendreher haben sehr große Hauben die sich von innen mit einer Kurbel drehen lassen.

Außenkrüher oder Außendreher wurden etwa 1570 eingeführt. Hier wurde zuerst von Hand über einen senkrecht stehenden Balken, den sogenannten Steert, die Haube in den Wind gedreht. Der Steert ist mit einem Balkensystem verbunden (Spreet und Schoren), welches als Hebel dient, so dass sich die Haube von Hand drehen läßt. Dazu ist allerdings, abhängig davon wie die Haube gelagert ist, ein gewisser Kraftaufwand erforderlich.

Später wurde am Ende des Steerts eine Kurbel, die sogenannte Krühhaspel angebaut, auf der ein oder zwei Ketten aufgedreht wurden, die an der Galerie und dem Boden verankert waren. Durch Drehen an der Krühhaspel konnte die Haube in den Wind gedreht werden.


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Steert, Spreet und Schoren (Windmühle Schwensby)


Die drehbare Haube selbst ist entweder auf Rollen gelagert (Rollenkrühwerk) oder auf kurzen Holzbalken (Gleitkrühwerk), auch Gleitschuhe genannt. Bei einem Rollenkrühwerk läßt sich die Haube mit weniger Kraftaufwand drehen als bei einem Gleitkrühwerk.



Flügel

Die Flügel sind schräge Flächen. Weht der Wind senkrecht auf die Drehebene, weichen die Flügel zur Seite aus und die Windbewegung wird in eine Kreisbewegung umgewandelt. Die Steilheit der Flügel zum Wind ist unterschiedlich, weil die Drehgeschwindigkeit der Flügel nahe der Drehachse langsamer ist als an der Flügelspitze.

Die Flügel bestehen aus einer Rute aus Holz oder Metall, und der Flügelfläche. Eine Rute besitzt zwei Flügelflächen. Die Flügelfläche besteht wieder aus zwei Teilen, die durch die Rute geteilt werden. Der schmalere Teil, der in die Bewegungsrichtung der Flügel zeigt, heißt Vorderzeug oder Vorderhecken. Der breitere Teil heißt Hinterzeug oder Hinterhecken und wird unter den Müllern auch als Heckerei bezeichnet. Er ist etwa doppelt so breit wie das Vorderzeug oder Vorderhecken.


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Flügel der Windmühle Krokau


Die meisten Mühlen haben zwei Ruten, also vier Flügel. Es gibt allerdings auch Mühlen mit fünf Flügeln, was aber recht selten ist. Früher wurden einige Mühlen nach Schäden eine gewisse Zeit nur mit einer Rute, also mit zwei Flügeln betrieben, was auch funktioniert.

Die meisten Mühlenflügel drehen sich im Uhrzeigersinn (vom Innern der Mühle, also hinter dem Flügelkreuz aus gesehen) bzw. außen von vorne gesehen gegen den Uhrzeigersinn. Nur bei wenigen Mühlen drehen sich die Flügel gegen den Uhrzeigersinn (vom Innern der Mühle gesehen bzw. außen von vorne gesehen im Uhrzeigersinn).



Flügelsysteme

Die Segelgatterflügel bestehen aus einen Gitterkreuz aus Latten, auf das ein Segeltuch gespannt wird, welches die Flügelfläche bildet. Dazu mußte der Müller jeden Flügel einzeln besteigen und das Segeltuch mit Leinen auf diesen spannen. Besonders im Winter war das unangenehm und gefährlich, wenn die Segeltücher beim Abnehmen durchnäßt und manchmal sogar vereist waren.

Die Größe der Segelfläche ist abhängig von der Windstärke: Je stärker der Wind weht, desto kleiner muß sie sein. Das heißt, wenn der Wind seine Stärke verändert, muß die Segelfläche erweitert bzw. verkleinert werden. Wird die Segelfläche bei zunehmenden Wind nicht rechtzeitig verkleinert, kann die Bremse zu heiß laufen und dadurch ein Brand ausgelöst werden.


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Segelgatterflügel unbespannt (Windmühle Grebin)


Die Jalousieklappenflügel sind wesentlich komfortabler und wurden zuerst bei den Holländerwindmühlen und später auch bei anderen Mühlenarten eingesetzt. Die Flügelfläche wird hier durch Jalousieklappen gebildet, die durch ein Verstellmechanismus quer zum Wind gestellt werden können. Der Vorteil ist hier, dass die Jalousieklappen auch während des Betriebes bei sich drehenden Flügeln verstellt werden können. Wenn der Müller seine Arbeit beendet hat, werden die Jalousieklappen wieder waagerecht gestellt. Die folgenden Bilder zeigen ein Beispiel der Windmühle Sventana:


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Jalousien quer zum Wind - Flügelfläche (links)
Jalousien senkrecht zum Wind - keine Flügelfläche (rechts)


Der Mechanismus zum Verstellen der Jalousien, der vorne aus dem Kopf der Flügelwelle herausschaut, wird auch Spinnenkopf genannt.


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Spinnenkopf bei der Windmühle Krokau


Kurt Bilau und Albert Betz entwickelten zwischen 1920 und 1924 einen neuen Flügeltyp, die Bilausche Ventikanten, was soviel wie Windkanten heißt. Die Flügelflächen bestehen aus zwei V-förmig zueinander liegenden Metallflächen, zwischen denen ein Spalt liegt. Die beiden Flügelflächen werden als Vorderheck und Hinterheck bezeichnet. Der dazwischen liegenden Spalt kann durch ein Verstellmechanismus geöffnet oder geschlossen werden. Ist der Spalt geschlossen, wirkt das Heck als Segelfläche, ist er geöffnet wirkt das Heck als Bremse. Der Vorteil war der bessere Wirkungsgrad, so dass sich die Flügel schon bei schwachem Wind drehten und Mahlsteine antreiben konnten. Der Nachteil war das hohe Gewicht der Flügel und der deutlich höhere Preis.


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Bilausche Ventikanten der Windmühle Nicola bei Schleswig


Dieser neue Flügeltyp war de letzte große Neuentwicklung im Bereich der Windmühlentechnik, bevor später das Mühlensterben einsetzte. Bis zum Jahr 1950 wurde das Bilausche Flügelsystem öfter verwendet und fand bei etwa 140 Mühlen in Deutschland Anwendung, von denen heute nur noch zehn übrig geblieben sind. Weiterhin ist die im Jahr 2015 fertig aufgebaute Mühle "Nicola" bei Schleswig mit dem Bilauschen Flügelsystem ausgestattet.


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Bilausche Ventikanten der Windmühle Nicola bei Schleswig



Windrose

Im 18. Jahrhundert wurden viele Windmühlen mit einer Windrose nachgerüstet. Diese hat die Aufgabe, die Haube mit den Flügeln automatisch in den Wind zu drehen. Die Windrose ist so gebaut, dass sie sich stark dreht, wenn der Wind senkrecht auf die Drehebene weht, also genau wie bei den Flügeln. Nur ist die Windrose um 90 Grad versetzt zu den Flügeln auf der gegenüberliegenden Seite der Haube angebracht. Über eine Kette und ein Getriebe wird die Haube so automatisch in den Wind gedreht, wenn sich die Windrichtung ändert.


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Windmühle Krokau mit der Windrose


Für die Haubennachführung gibt es verschiedene Antriebsarten. Häufig geschieht dies über einen inneren Zahnkranz (Walzenantrieb). Bei anderen Mühlen ist außen unter der Haube eine sogenannte Kroykette befestigt. Die Kroykette ist mit dem Windrosenantrieb verbunden und wird mit einem Kroykettenspanner, der unter dem Windrosengetriebe angebracht ist, auf Spannung gehalten. Im Prinzip dreht sich die Haube um diese Kette herum. Die Kroykette muß regelmäßig überprüft werden, da durch Verschleiß einzelner Kettenglieder die Kette langsam länger wird und sie irgendwann durchhängt, so daß der Antrieb nicht mehr richtig funktioniert.


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Kroykette der Windmühle Krokau


Je nachdem, von welcher Seite der Wind auf die Windrose weht, dreht sie sich links- oder rechtsherum. Damit kann sich auch die Haube in die eine oder die andere Richtung drehen. Das Getriebe ist so gebaut, dass es beidseitig funktioniert, wodurch es auch recht komplex ist.


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Das Getriebe der Windrose für die Haubendrehung an der Windmühle Krokau
Unten in der Bildmitte sieht man den Kroykettenspanner


Die meisten Windrosen haben acht Blätter - es gibt aber auch Windrosen mit anderer Blätterzahl. Selten sind die sogenannten Doppelwindrosen.


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Eine Doppelwindrose (Windmühle Bönebüttel Husberg)


Sehr ungünstig ist der Fall, wenn der Wind plötzlich z. B. bei einem Gewitter um genau 180 Grad dreht. Dann weht der Wind genau von der anderen Seite in Drehrichtung der Windrose womit sich diese kaum dreht und die Haube auch nicht automatisch in die neue Windrichtung gedreht wird. Da in diesem Fall der Wind von hinten auf die Flügel weht, können sich diese rückwärts drehen, wenn keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen getroffen sind, z. B. eine Sperre die das Rückwärtsdrehen der Flügelwelle verhindert. Bei rückwärts drehenden Flügeln funktioniert die Bremse nicht mehr so gut und sie würde sich sehr stark erhitzen, was zu einem Mühlenbrand führen kann.

Vor einem Sturm ist daher immer die korrekte Funktion des Windrosenantriebs zu kontrollieren! Fällt bei Sturm oder Orkan der Windrosenantrieb aus, wird die Haube nicht mehr der Windrichtung nachgeführt. Weht der Wind dann von hinten auf die Flügel, wirkt die Bremse nicht mehr richtig und die Flügel können anfangen sich rückwärts zu drehen (wenn keine Rücklaufsperre vorhanden ist), die Bremse erhitzt sich sehr stark und es kommt zu einem Mühlenbrand. Auch kann ein Sturm, wenn er von hinten auf die Flügel weht, die ganze Haube herunterreißen. Mühlen sind in der Regel recht sturmfest, aber nur wenn bei einem angekündigten Sturm in der Mühle gewisse Sicherungsmaßnahmen getroffen werden, damit es dort nicht zu Schäden kommt.



Bremse

Die Bremse dient dazu, nach der Arbeit die Fügelwelle zum Stillstand zu bringen oder zum Feststellen bei Nichtbetrieb. Auch wenn am Flügelwerk gearbeitet wird, z. B. bei Besegelung von Segelgatterflügeln, sollte unbedingt die Bremse angezogen sein, auch bei Windstille.

Die Bremse besteht entweder aus rund gesägten oder gebogenen Hölzern, die als Ring das Kammrad umschließen (Flämische Bremse), oder aus einem Eisenring, der das Kammrad umschließt (Band- oder Reifenbremse).


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Ein Eisenring um das Kammrad (Windmühle Schwensby)


Die folgende Abbildung zeigt die Flämische Bremse zunächst ohne Kammrad:


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Flämische Bremse


Die einzelnen gebogenen Holzblöcke sind durch Mondeisen miteinander verbunden. Bedient wird die Bremse mit einer Kette, die außen von der Kappe der Mühle herunterhängt. Die folgende Abbildung zeigt die gelöste Bremse, der Bremsbalken ist eingehakt und die Flügel können sich drehen.


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Bremse gelöst
Der Bremsbalken ist eingehakt und die Flügel können sich drehen


Zum Bremsen zieht man soweit an der Bremskette, dass der Bremsbalken ausgehakt wird und läßt danach die Kette langsam nach, wodurch der Bremsbalken langsam nach unten sinkt und die Bremse betätigt wird. Durch sein Gewicht zieht der Bremsbalken den Holzkranz gegen das Kammrad, welches dadurch abgebremst oder festgehalten wird. Die Flügel werden langsamer und kommen schließlich zum Stillstand. Wichtig ist das langsame Abrremsen der Flügelwelle! Würde man die Bremskette schlagartig loslassen kann es zu Schäden kommen.


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Bremse betätigt
Der Bremsbalken hängt nach unten und zieht durch sein Gewicht den Holzkranz an das Kammrad.


Um die Bremse zu lösen, zieht man solange an der Bremskette, bis der Bremsbalken wieder einhakt. Das Säbeleisen hat mehrere Bohrungen. Mit einem Bolzen wird das Säbeleisen mit dem Bremsbalken verbunden. Mit den verschiedenen Löchern kann der Hubweg des Bremsbalkens und damit die Bremse eingestellt werden.


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Flämische Bremse (Windmühle Krokau)
Hier sieht man den Holzkranz um das Kammrad und die Mondeisen


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Der Bremsbalken und das Säbeleisen (Windmühle Schwensby)


Durch zu schnelles Bremsen besonders bei hohen Drehzahlen der Flügel können die Bremsen sich stark erhitzen. Das kann soweit gehen, dass es zu einem Brand zuerst an der Bremse und schließlich der ganzen Mühle kommen kann. Überhitzte Bremsen waren früher oft der Grund für Mühlenbrände!



Der Windmüller

Viele der heute noch vorhandenen Windmühlen sind von Häusern umgeben, aber das war nicht immer so. Früher standen Windmühlen immer etwas abseits eines Dorfes, da sie möglichst frei stehen mußten. Müller hatten damals keinen besonders guten Ruf. Sie lebten in ihrer Mühle oder in einem Nebengebäude abseits des Dorfes und galten daher oft als Außenseiter. Keiner konnte ihre Arbeit einsehen oder kontrollieren und ihnen wurde oft Unehrlichkeit nachgesagt, vor allem ob der Müller sich seinen zustehenden Anteil an Mehl genommen hat oder vielleicht nicht doch mehr.

mahlstein.jpg Der Müller hatte keine festen Arbeitszeiten. Er konnte und mußte arbeiten, wenn genug Wind weht, dass der Mahlstein angetrieben werden konnte. So kam es vor, dass er auch nachts arbeitete, wenn die anderen in ihren Betten lagen. Ein alter Lehrlingsspruch lautet: "Das Müllerleben hat Gott gegeben, doch das Mahlen des Sonntags und in der Nacht, das hat der Teufel hinzugebracht". So kam es auch vor, dass ein Müller in jüngeren Jahren am Wochenende früh morgens von einer Tanzparty zurückkam und anschließend gleich in die Mühle zum Arbeiten ging, wenn nach tagelanger Windstille endlich wieder Wind wehte.

In einem hatte der Müller aber eine sichere Position: Er galt als guter Wetterprophet. Im Laufe seines Arbeitslebens hatte er sehr viele Erfahrungen gesammelt, was das Wetter anging, denn damals gab es ja noch keine Wettervorhersagen.

Ausgebildet wurden die Müllergesellen in einer oder mehreren Mühlen. Nach Ende ihrer Lehrzeit gingen die freigesprochenen Müllergesellen auf Wanderschaft und zogen von einer Mühle zur nächsten, um dort nach Arbeit zu fragen. Der Müller entschied über den Antrag des Gesellen. Wenn es keine Arbeit gab, durfte der Geselle am Mittagessen teilnehmen und eine Nacht an der Mühle bleiben. Am nächsten Tag zog er weiter. Gab es Arbeit blieb er, was je nach Arbeitsanfall unterschiedlich lange sein konnte. Manchmal gab es nur Arbeit für Tage oder Wochen. Danach zog der Müllergeselle wieder weiter. So sammelte er im Laufe der Zeit immer mehr an Wissen und Erfahrung. Irgendwann ergaben sich auch langjährige Arbeitsverhältnisse und der Geselle wurde später selbst Meister und konnte die Mühle durch Kauf oder Pachtung übernehmen.

glueckzu.jpg Für seine Arbeit stand dem Müller ein Lohn zu, den man als Matte bezeichnet. Dieser umfaßte einen gewissen Bruchteil des gemahlenen Korns. Der Müller konnte sich seinen Anteil an Mehl nehmen. Durch Verkauf dieses Mehls konnte er seinen Anteil zu Geld machen.

Glück zu hieß und heißt auch heute noch der Müllergruß. Denn Glück brauchte der Müller besonders, war er doch in seiner Mühle ständig verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Dazu zählt Bruchgefahr durch Sturm, Blitzschlag, Brand durch überhitzte Bremsen oder (bei Segelgatterflügel) Absturzgefahr beim Besegeln der Flügel sowie gebrochene Mahlsteine. Wenn ein Mahlstein bricht, was z. B. durch zu hohe Drehzahl passieren kann, fliegen die zerbrochenen Teile wie Geschosse weg. Manchmal kam es zu Unfällen, wenn ein Geselle in die drehenden Räder gezogen wurde und zerquetscht wurde. Auch die drehenden Flügel sind eine große Gefahr, wenn man von ihnen getroffen wird. Weidetiere und auch manchmal Menschen sind von ihnen erschlagen worden.



Flügelsprache

Durch Stellung der Mühlenflügel konnte der Müller verschiedene Aussagen machen. Stehen die Flügel z. B. in einer Schere (45 Grad) bedeutet dies, dass die Mühle momentan nicht in Betrieb ist (Feierabend oder Urlaub) und der Kunde braucht sich nicht dort hin zu bemühen.


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1. Tagesarbeit ist beendet oder Pause
Bei Segelgatterflügel mit gesetzten Segeln: Es ist gerade keine Arbeit da und Kunden werden sofort bedient.

2. Feierabend oder Mühle ist nicht in Betrieb. Das ist die normale Ruhestellung.

3. Freudenschere: Feier in der Familie des Müllers.

4. Trauerschere: Trauerfall in der Familie des Müllers.

Bei Gewitter wurden die Flügel oft in die Schere gestellt, weil der höchste Punkt dann etwa 2 Meter niedriger ist als im Kreuz; in der Hoffnung dass der Blitz nicht einschlägt.



Weitere Informationen

Im Internet findet man viele Informationen zum Thema Windmühlen. Im folgenden habe ich einige Links zusammengestellt, wo man mehr über den Aufbau und der Funktion von Windmühlen erfahren kann. Daneben gibt es auch viele kurze Videos von betriebenen Windmühlen, besonders aus Holland.

Videos aus Norddeutschland und Holland:

Bei dem Verein Historische Mühlen im Selfkant e. V. findet man unter "Wissenswertes" einiges zur Funktion und dem Aufbau von Windmühlen. Darunter sind auch einige Dokumente als PDF, wo bestimmte Teile mit Fotos genauer beschrieben werden.

Sehr empfehlenswert ist die folgende Bücherreihe der Europäischen Bibliothek, Niederlande:

  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 1, ISBN 90 288 3267 x
  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 2, ISBN 90 288 4529 1
  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 3, ISBN 90 288 4661 1
  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 4, ISBN 90 288 4767 7
  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 5, ISBN 90 288 4971 8
  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 6, ISBN 90 288 5336 7
  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 7, ISBN 90 288 5954 3
  • Windmühlen in Schleswig-Holstein in alten Ansichten Band 8, ISBN 90 288 6312 5

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Die Windmühle "Sventana" bei Ascheberg

© Copyright: 2017-2018 Mario Lehwald