MÜHLEN

Mühlen sind faszinierende Zeitzeugen und waren einmal lebenswichtig. Meist wurden sie als Getreidemühlen verwendet, d. h. um aus Korn Mehl zu malen. Eine Ausnahme davon ist die Mühle "Charlotte" an der Geltinger Birk: Sie arbeitete als Wasserpumpe und wurde zur Entwässerung des Polders benutzt.

In Kiel-Suchsdorf gab es auch einmal eine Mühle. Diese Windmühle wurde 1841 von A. J. Kühl an der Eckernförder Chaussee gebaut. In meiner Grundschulzeit Ende der 70er Jahre war sie noch vorhanden, auf dem Gelände des heutigen Edeka-Marktes. Auf dem Schulweg sah ich sie jeden Tag, allerdings hatte sie keine Flügel mehr. Kurze Zeit später wurde die Eckernförder Straße auf vier Spuren ausgebaut, und durch den Bau des Vorgängers des heutigen Edeka-Marktes (ENO) die Mühle abgerissen.

Auf alten Fotos oder Stichen fiel mir später auf, dass oftmals eine Mühle im Hintergrund zu sehen war. Diese Bauwerke gehörten damals zum Landschaftsbild wie heute die Funkmasten. Nach meiner Schulzeit fiel mir das kleine "Heimatbuch Suchsdorf" in die Hände, welches 1959 vom Magistrat der Stadt Kiel und vom Ortsbeirat Suchsdorf herausgegeben wurde. Dort konnte man die ehemalige Windmühle mit den Flügeln an der Eckernförder Chaussee auf Schwarzweissfotos bewundern.


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Ein selten gewordenes Landschaftsbild - hier mit der Windmühle in Klein-Barkau


Im Jahr 2017 begann ich noch vorhandene Windmühlen in der Umgebung von Kiel zu fotografieren. Und da gab es doch noch einige. Angefangen mit der Windmühle in Krokau, gefolgt von der Windmühle in Klein-Barkau, der Windmühle in Gettorf, der Windmühle Auguste in Gross-Wittensee und der Windmühle Sventana in Ascheberg, um nur einige zu nennen.

Die noch heute vorhandenen Windmühlen sind in mühsamer Arbeit restauriert bzw. fast neu aufgebaut worden. Nur noch wenige davon sind komplett funktions- und malfähig. Dazu zählen die Windmühle in Krokau, die Windmühle Nicola in Schleswig, die Windmühle Sventana in Ascheberg und die Windmühle Auguste in Gross-Wittensee.


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Windmühle Krokau (links)
Windmühle "Auguste" in Gross-Wittensee (rechts)



Mühlenarten

Die älteste Form ist die Bockwindmühle, die seit etwa dem 12. Jahrhundert bekannt ist. Hier ist das gesamte Gebäude drehbar auf einem Bock gelagert. Um die Mühle in den Wind zu drehen, mußte das gesamte Gebäude gedreht werden.


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Bockwindmühle im Freilichtmuseum Molfsee


Die Turmwindmühle besteht aus einen aus Stein aufgebauten Turm mit einer Dachkappe, in der die Flügel eingesetzt sind. Da bei diesem Mühlentyp die Kappe nicht drehbar ist, wurden die Flügel nach der Hauptwindrichtung ausgerichtet.

Die Kokerwindmühle ist eine Weiterentwicklung der Bockwindmühle. Der Bock ist hier geschlossen und sitzt auf einen Sockel aus Holz oder Stein. Durch den Bock wurde von oben die Königswelle geführt. Das obere Mühlengehäuse ist deutlich kleiner als bei der Bockwindmühle und kann um die Königswelle herumgedreht werden.


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Spinnkopfmühle im Freilichtmuseum Molfsee


Die häufigste und bekannteste Form ist die Holländerwindmühle. Bei dieser Art von Windmühle braucht nur die Haube oder Kappe gedreht zu werden. Als Erfinder der drehbaren Haube wird heute der Holländer Jan Adriaanszoon Leeghwater (1575 bis 1650) angesehen. Ab dem 16. Jahrhundert breitete sich dieser Mühlentyp immer mehr aus. Bei der Holländerwindmühle werden verschiedene Arten unterschieden.



Arten der Holländerwindmühle

Der Erdholländer ist auch als Grundsegler bekannt. Er besitzt kein steinernes Grundgeschoss und die Flügelenden befinden sich nahe des Erdbodens.

Der Sockelgeschossholländer besitzt ein steinernes Grundgeschoss.

Der Galerieholländer besitzt einen umlaufenden Balkon, auch Galerie genannt. Nur von der Galerie aus konnte man wegen der grösseren Höhe der Mühle die Flügel erreichen und die Mechanismen bedienen, um die Haube in den Wind zu drehen.


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Galerieholländer im Freilichtmuseum Molfsee


Der Wallholländer oder Bergholländer wurde auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut. Dadurch befanden sich die Flügel höher im Wind, konnten aber vom Erdwall aus erreicht werden.

Der Durchfahrtholländer oder Kellerholländer wurde ebenfalls auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut, in dessen Mitte eine Durchfahrt in Form eines Tunnels gebaut wurde. So konnten Transportfahrzeuge direkt unter die Mühle fahren, um die Getreidesäcke zu verladen.


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Kellerholländer (Windmühle Krokau)


Der Turmholländer wurde konisch aus Steinen gemauert, wobei im Gegensatz zur Turmwindmühle die Haube drehbar ist.



Antriebstechnik

Die folgende Grafik zeigt das Innenleben der Britzer Mühle und stammt von Wikipedia.


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Innenansicht Britzer Windmühle
Quelle: Wikipedia


01 Steinerner Unterbau 02 Galerie 03 Mehlrohr 04 Mahlgang
05 Stirnrad 06 Stockrad 07 Königswelle 08 Sackaufzug
09 Hebetisch 10 Obenbunkler 11 Drehkranz 12 Spinne zur Jalousiesteuerung
13 Ruten mit Jalousien 14 Flügelwelle 15 Obenkammrad 16 Windrose

Im Innern der Mühle sitzt auf der horizontalen Flügelwelle (14) das Obenkammrad (15). Von diesem wird die Bewegungsenergie über den Obenbunkler (10) auf eine vertikal stehende Welle, die sogenannte Königswelle (07) übertragen. Im unteren Teil der Königswelle sitzt das Stirn- oder Königsrad (05), welches die Bewegung auf ein Korb- oder Stockrad einer zweiten vertikale stehenden Welle überträgt. Am unteren Ende dieser zweiten Welle befindet sich der Mahlstein (04). Oft sind weitere Einrichtungen vorhanden, die mit der Energie der Flügelwelle angetrieben werden, z. B. der Sackaufzug (08).



Die drehbare Haube

Die Flügel sind schräge Flächen d. h. die Flügel müssen in den Wind gedreht werden, dass der Wind von vorne senkrecht auf die Drehebene weht.

Grundsätzlich unterscheidet man Innenkrüher und Außenkrüher. Innenkrüher oder Binnendreher haben sehr große Hauben die sich von innen mit einer Kurbel drehen lassen.

Außenkrüher oder Außendreher wurden etwa 1570 eingeführt. Hier wurde zuerst von Hand über einen senkrecht stehenden Balken, den sogenannten Steert, die Haube in den Wind gedreht. Später wurde am Ende des Steerts eine Kurbel, die sogenannte Krühhaspel angebaut, auf der ein oder zwei Ketten aufgedreht wurden, die an der Galerie und dem Boden verankert waren. Durch Drehen an der Krühhaspel konnte die Haube in den Wind gedreht werden.

Die drehbare Haube selbst ist entweder auf Rollen gelagert (Rollenkrühwerk) oder auf kurzen Holzbalken (Gleitkrühwerk), auch Gleitschuhe genannt.



Flügelarten

Die Segelregattaflügel bestehen aus einen Gitterkreuz aus Latten, auf das ein Segeltuch gespannt wird, welches die Flügelfläche bildet. Dazu mußte der Müller jeden Flügel einzeln besteigen und das Segeltuch mit Leinen auf diesen spannen. Die Größe der Segelfläche ist abhängig von der Windstärke: Je stärker der Wind weht, desto kleiner muß sie sein. Das heißt, wenn der Wind seine Stärke verändert, muß die Segelfläche erweitert bzw. verkleinert werden. Wird die Segelfläche bei zunehmenden Wind nicht rechtzeitig verkleinert, kann die Bremse zu heiß laufen und dadurch ein Brand ausgelöst werden.


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Segelregattaflügel unbespannt (Windmühle Grebin)


Die Jalousieklappenflügel wurden zuerst bei den Holländerwindmühlen und später auch bei anderen Mühlenarten eingesetzt. Die Flügelfläche wird hier durch Jalousieklappen gebildet, die durch ein Verstellmechanismus quer zum Wind gestellt werden können. Der Vorteil ist hier, dass die Jalousieklappen auch während des Betriebes bei sich drehenden Flügeln verstellt werden können. Wenn der Müller seine Arbeit beendet hat, werden die Jalousieklappen wieder waagerecht gestellt. Die folgenden Bilder zeigen ein Beispiel der Windmühle Sventana:


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Jalousien quer zum Wind - Flügelfläche (links)
Jalousien senkrecht zum Wind - keine Flügelfläche (rechts)


Der Mechanismus zum Verstellen der Jalousien, der vorne aus dem Kopf der Flügelwelle herausschaut, wird auch Spinnenkopf genannt.


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Spinnenkopf bei der Windmühle Krokau


Kurt Bilau und Albert Betz entwickelten zwischen 1920 und 1924 einen neuen Flügeltyp, die Bilausche Ventikanten. Die Flügelflächen bestehen aus zwei V-förmig zueinander liegenden Metallflächen, zwischen denen ein Spalt liegt. Die beiden Flügelflächen werden als Vorderheck und Hinterheck bezeichnet. Der dazwischen liegenden Spalt kann durch ein Verstellmechanismus geöffnet oder geschlossen werden. Ist der Spalt geschlossen, wirkt das Heck als Segelfläche, ist er geöffnet wirkt das Heck als Bremse. Der Vorteil war der bessere Wirkungsgrad, so dass sich die Flügel schon bei schwachem Wind drehten und Malsteine antreiben konnten. Der Nachteil war das hohe Gewicht der Flügel und der deutlich höhere Preis.



Windrose

Im 18. Jahrhundert wurden viele Windmühlen mit einer Windrose nachgerüstet. Diese hat die Aufgabe, die Haube mit den Flügeln automatisch in den Wind zu drehen. Die Windrose ist so gebaut, dass sie sich stärker dreht, wenn der Wind senkrecht auf die Drehebene weht, also genau wie bei den Flügeln. Nur ist die Windrose um 90 Grad versetzt zu den Flügeln auf der gegenüberliegenden Seite der Haube angebracht. Über eine Kette und ein Getriebe wird die Haube so automatisch in den Wind gedreht, wenn sich die Windrichtung ändert.


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Windmühle Krokau mit der Windrose


Zum Glück findet man im Internet auch einiges zum Thema Windmühlen, über deren Aufbau und Funktion. Im folgenden habe ich einige Links zum Thema Windmühlen zusammengestellt, wo man mehr über den Aufbau und der Funktion von Windmühlen erfahren kann.

Bei dem Verein Historische Mühlen im Selfkant e. V. findet man unter "Wissenswertes" einiges zur Funktion und dem Aufbau von Windmühlen. Darunter sind auch einige Dokumente als PDF, wo bestimmte Teile mit Fotos genauer beschrieben werden.


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Die Windmühle "Sventana" bei Ascheberg

© Copyright: 2017-2018 Mario Lehwald