MÜHLEN

Mühlen sind faszinierende Zeitzeugen und waren einmal überlebenswichtig. Meist wurden sie als Getreidemühlen verwendet, d. h. um Korn zu Mehl zu mahlen. Einige Mühlen dienten auch als Wasserpumpe, um Polder zu entwässern wie z. B. die Mühle "Charlotte" an der Geltinger Birk. Bei Elmshorn gab es sogar eine Mühle, die zum Antrieb einer Holzsäge benutzt wurde.

In Kiel-Suchsdorf gab es auch einmal eine Mühle. Diese Windmühle wurde 1841 von A. J. Kühl an der Eckernförder Chaussee gebaut. In meiner Grundschulzeit Ende der 70er Jahre war sie noch vorhanden, auf dem Gelände des heutigen Edeka-Marktes. Auf dem Schulweg sah ich sie jeden Tag, allerdings hatte sie keine Flügel mehr. Kurze Zeit später wurde die Eckernförder Straße auf vier Spuren ausgebaut, und durch den Bau des Vorgängers des heutigen Edeka-Marktes (ENO) die Mühle abgerissen.

Auf alten Fotos oder Stichen fiel mir später auf, dass oftmals eine Mühle im Hintergrund zu sehen war. Diese Bauwerke gehörten damals zum Landschaftsbild wie heute die Funkmasten. Nach meiner Schulzeit fiel mir das kleine "Heimatbuch Suchsdorf" in die Hände, welches 1959 vom Magistrat der Stadt Kiel und vom Ortsbeirat Suchsdorf herausgegeben wurde. Dort konnte man die ehemalige Windmühle mit den Flügeln an der Eckernförder Chaussee auf Schwarzweissfotos bewundern.


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Ein selten gewordenes Landschaftsbild - hier mit der Windmühle in Klein-Barkau


Im Jahr 1998 fuhr ich mit ein paar Freunden von der Sternwarte Kronshagen nach Wisch bei Laboe. Auf der Fahrt dorthin fiel mir eine Mühle bei Krokau auf. Im Juli 2003 wollte ich den Leuchtturm Kalkgrund in der Flensburger Förde von Land fotografieren. Der Weg an der Geltinger Birk führte direkt an der Mühle Charlotte vorbei, von der ich ebenfalls ein Bild machte.

Im Herbst 2017 sah ich abends ab und zu in das "Heimatbuch Suchsdorf". Und immer wieder fiel der Blick auf das alte Foto der ehemaligen Windmühle an der Eckernförder Chaussee. Ich beschloss in den nächsten Tagen eine Windmühle zu besuchen und zu fotografieren, aber in Farbe. Die "Charlotte" war schon recht weit, gab es vielleicht etwas näheres? Und da kam mir die Mühle bei Wisch wieder in den Sinn. Es war neben der "Charlotte" in der Geltinger Birk die einzige, die ich kannte. Mitte November gab es einen schönen Spätherbsttag. Ich fuhr los und fand schließlich die Windmühle Krokau, wie sie offiziell heißt. Es entstanden an diesem schönen Nachmittag sehr gute Fotos. Per Web fand ich weitere noch vorhandene Mühlen, die ich bald besuchte: Die Windmühle in Klein-Barkau, die landschaftlich besonders eindrucksvoll liegt, die Windmühle in Gettorf, die Windmühle Auguste in Groß-Wittensee und die Windmühle Sventana bei Ascheberg, um nur einige zu nennen.


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Windmühle Krokau (links)
Windmühle "Auguste" in Groß-Wittensee (rechts)


Bald erfuhr ich von dem Deutschen Mühlentag, der immer am Pfingstmontag stattfindet. Der nächste war am 21. Mai 2018. Dieser Tag wurde schon mal festgelegt, aber zu welcher Mühle sollte es gehen? Es sollte eine sein, die noch betriebsfähig ist und so entschied ich mich für die Krokauer Mühle. Als ich dort am frühen Nachmittag ankam, drehten sich bereits ihre Flügel. Es war das erste Mal, dass ich eine Windmühle in Betrieb sah. Im Innern lief der Mahlgang und die großen Holzräder drehten sich und brachten die Mühle in spürbare Vibration. Es entstanden sehr viele Filmaufnahmen an diesem Tag.



Der Mühlenzwang

Die meisten Mühlen waren früher Anlagen der Grundheeren und in Pacht vergeben. Den Bauern wurde damals vorgeschrieben, bei welcher Mühle sie ihr Korn mahlen lassen durften. In dieser Zeit gab es in Schleswig-Holstein etwa 430 Mühlen. Dieser Mühlenzwang wurde in Schleswig im Jahr 1852 und in Holstein im Jahr 1854 aufgehoben. Danach wurden von privater Seite viele neue Mühlen gebaut, so dass um 1890 in Schleswig-Holstein etwa 1200 Mühlen standen.

Nach 1900 kamen mit Dampf und Strom betriebene Großmühlenbetriebe auf und in den 1920er Jahren wurden auch die ländlichen Gegenden elektrifiziert. Das Mühlensterben begann und viele Mühlen wurden abgebrochen. Ende der 30er Jahre ist die Zahl der Mühlen in Schleswig-Holstein auf etwa 200 zurückgegangen. Nach dem zweiten Weltkrieg war man allerdings froh, dass viele Windmühlen den Krieg überlebt hatten, denn die Großmühlen und Transportwege waren oft zerstört und die noch verbliebenen Windmühlen mußten jetzt auf Hochtouren arbeiten.



Das Mühlengesetz

Als später das Wirtschaftswunder einsetzte, wurden die elektrisch betriebenen Großmühlenbetriebe weiter ausgebaut, um windunabhängig die Erträge an Mehl und Brot sicherzustellen. Im Jahr 1955 wurde schließlich die Neuerrichtung von Mühlen verboten. Im Jahr 1957 wurde ein Mühlengesetz verabschiedet, das Gesetz über die Errichtung, Inbetriebnahme, Verlegung, Erweiterung und Finanzierung der Stillegung von Mühlen, das 1959 geändert und 1965 neu verfasst wurde. In diesem Gesetz hieß es, dass Mühlenbesitzern und Müllern eine staatliche Prämie gezahlt wird, wenn sie ihre stillgelegte Mühle mindestens 30 Jahre lang nicht mehr betreiben. Damit wurde das Mühlensterben noch erheblich vorangetrieben. Dieses Gesetz wurde erst 1972 durch ein anderes ersetzt. Auch der Beruf des Windmühlenbauers war damit erloschen und wurde gestrichen.

So wurden viele Mühlen ab den 60er Jahren nicht mehr betrieben und rotteten langsam vor sich hin. Viele sind später abgerissen wurden, so auch einige im Randbereich von Kiel. Zum Glück haben aber nicht alle Mühlen dieses Schicksal erleidet. In den 1980er Jahren setzte ein Umdenken ein und die noch verbliebenen Windmühlen sind in mühsamer Arbeit restauriert bzw. fast neu aufgebaut worden. Es haben sich Vereine gebildet, die diese Arbeit in Eigenregie und mit fremder Hilfe sowie mit Zuschüssen und Spenden geleistet haben. So gibt es in Schleswig-Holstein von den einst 1200 Mühlen noch etwa 45, welche die Zeit überlebt haben und zum größten Teil restauriert wurden. Nur noch wenige davon sind komplett funktions- und mahlfähig. Dazu zählen die Windmühle in Krokau, die Windmühle Nicola in Schleswig, die Windmühle Sventana in Ascheberg, die Windmühle Auguste in Groß-Wittensee oder die Windmühle Renata in Sörup-Schwensby. Andere Mühlen sind zwar erhalten, aber nicht mehr funktionsfähig. Bei einigen Mühlen ist nur noch der Rumpf ohne Flügel vorhanden.



Mühlenarten

Die älteste Form ist die Bockwindmühle, die seit etwa dem 12. Jahrhundert bekannt ist. Hier ist das gesamte Gebäude drehbar auf einem Bock gelagert. Um die Mühle in den Wind zu drehen, mußte das gesamte Gebäude gedreht werden.


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Bockwindmühle im Freilichtmuseum Molfsee


Die Turmwindmühle besteht aus einen aus Stein aufgebauten Turm mit einer Dachkappe, in der die Flügel eingesetzt sind. Da bei diesem Mühlentyp die Kappe nicht drehbar ist, wurden die Flügel nach der Hauptwindrichtung ausgerichtet.

Die Kokerwindmühle ist eine Weiterentwicklung der Bockwindmühle. Der Bock ist hier geschlossen und sitzt auf einen Sockel aus Holz oder Stein. Durch den Bock wurde von oben die Königswelle geführt. Das obere Mühlengehäuse ist deutlich kleiner als bei der Bockwindmühle und kann um die Königswelle herumgedreht werden.


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Spinnkopfmühle im Freilichtmuseum Molfsee


Die häufigste und bekannteste Form ist die Holländerwindmühle. Bei dieser Art von Windmühle braucht nur die Haube oder Kappe gedreht zu werden. Als Erfinder der drehbaren Haube wird heute der Holländer Jan Adriaanszoon Leeghwater (1575 bis 1650) angesehen. Ab dem 16. Jahrhundert breitete sich dieser Mühlentyp immer mehr aus. Bei der Holländerwindmühle werden verschiedene Arten unterschieden.



Arten der Holländerwindmühle

Der Erdholländer ist auch als Grundsegler bekannt. Er besitzt kein steinernes Grundgeschoss und die Flügelenden befinden sich nahe des Erdbodens.


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Erdholländer (Windmühle Charlotte)


Der Sockelgeschossholländer besitzt ein steinernes Grundgeschoss.

Der Galerieholländer besitzt einen umlaufenden Balkon, auch Galerie genannt. Nur von der Galerie aus konnte man wegen der grösseren Höhe der Mühle die Flügel erreichen und die Mechanismen bedienen, um die Haube in den Wind zu drehen.


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Galerieholländer im Freilichtmuseum Molfsee


Der Wallholländer oder Bergholländer wurde auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut. Dadurch befanden sich die Flügel höher im Wind, konnten aber vom Erdwall aus erreicht werden.

Der Durchfahrtholländer oder Kellerholländer wurde ebenfalls auf einen zuvor aufgeschütteten Erdwall gebaut, in dessen Mitte eine Durchfahrt in Form eines Tunnels gebaut wurde. So konnten Transportfahrzeuge direkt unter die Mühle fahren, um die Getreidesäcke zu verladen.


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Kellerholländer (Windmühle Krokau)


Der Turmholländer wurde konisch aus Steinen gemauert, wobei im Gegensatz zur Turmwindmühle die Haube drehbar ist.

Daneben gibt es auch Mischformen. Es gibt z. B. Gallerieholländer mit einer Durchfahrt. Eine besondere Form ist der Dachholländer. Das ist eine Holländerwindmühle, die auf ein anderes Gebäude aufgebaut ist.



Antriebstechnik

Die folgende Grafik zeigt das Innenleben der Britzer Mühle und stammt von Wikipedia.


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Innenansicht Britzer Windmühle
Quelle: Wikipedia


01 Steinerner Unterbau 02 Galerie 03 Mehlrohr 04 Mahlgang
05 Stirnrad 06 Stockrad 07 Königswelle 08 Sackaufzug
09 Hebetisch 10 Obenbunkler 11 Drehkranz 12 Spinne zur Jalousiesteuerung
13 Ruten mit Jalousien 14 Flügelwelle 15 Obenkammrad 16 Windrose

Im Innern der Mühle sitzt auf der horizontalen Flügelwelle (14) das Obenkammrad (15). Von diesem wird die Bewegungsenergie über den Obenbunkler (10) auf eine vertikal stehende Welle, die sogenannte Königswelle (07) übertragen. Im unteren Teil der Königswelle sitzt das Stirn- oder Königsrad (05), welches die Bewegung auf ein Korb- oder Stockrad einer zweiten vertikale stehenden Welle überträgt. Am unteren Ende dieser zweiten Welle befindet sich der Mahlstein (04). Oft sind weitere Einrichtungen vorhanden, die mit der Energie der Flügelwelle angetrieben werden, z. B. der Sackaufzug (08).


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Das Obenkammrad, der Obenbunkler (rechts unten)
und die Flügelwelle (rechts oben)

(Windmühle Schwensby)


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Stirnrad in der Windmühle Schwensby
Man glaubt gar nicht, wie groß das Ding ist...



Die drehbare Haube

Die Flügel sind schräge Flächen d. h. die Flügel müssen in den Wind gedreht werden, dass der Wind von vorne senkrecht auf die Drehebene weht.

Grundsätzlich unterscheidet man Innenkrüher und Außenkrüher. Innenkrüher oder Binnendreher haben sehr große Hauben die sich von innen mit einer Kurbel drehen lassen.

Außenkrüher oder Außendreher wurden etwa 1570 eingeführt. Hier wurde zuerst von Hand über einen senkrecht stehenden Balken, den sogenannten Steert, die Haube in den Wind gedreht. Der Steert ist mit einem Balkensystem verbunden (Spreet und Schoren), welches als Hebel dient, so dass sich die Haube von Hand drehen läßt. Dazu ist allerdings, abhängig davon wie die Haube gelagert ist, ein gewisser Kraftaufwand erforderlich.

Später wurde am Ende des Steerts eine Kurbel, die sogenannte Krühhaspel angebaut, auf der ein oder zwei Ketten aufgedreht wurden, die an der Galerie und dem Boden verankert waren. Durch Drehen an der Krühhaspel konnte die Haube in den Wind gedreht werden.


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Steert, Spreet und Schoren (Windmühle Schwensby)


Die drehbare Haube selbst ist entweder auf Rollen gelagert (Rollenkrühwerk) oder auf kurzen Holzbalken (Gleitkrühwerk), auch Gleitschuhe genannt. Bei einem Rollenkrühwerk läßt sich die Haube mit weniger Kraftaufwand drehen als bei einem Gleitkrühwerk.



Flügel

Die Flügel sind schräge Flächen. Weht der Wind senkrecht auf die Drehebene, weichen die Flügel zur Seite aus und die Windbewegung wird in eine Kreisbewegung umgewandelt. Die Steilheit der Flügel zum Wind ist unterschiedlich, weil die Drehgeschwindigkeit der Flügel nahe der Drehachse langsamer ist als an der Flügelspitze.

Die Flügel bestehen aus einer Rute aus Holz oder Metall, und der Flügelfläche. Eine Rute besitzt zwei Flügelflächen. Die Flügelfläche besteht wieder aus zwei Teilen, die durch die Rute geteilt werden. Der schmalere Teil, der in die Bewegungsrichtung der Flügel zeigt, heißt Vorderzeug oder Vorderhecken. Der breitere Teil heißt Hinterzeug oder Hinterhecken und wird unter den Müllern auch als Heckerei bezeichnet. Er ist etwa doppelt so breit wie das Vorderzeug oder Vorderhecken.


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Flügel der Windmühle Krokau


Die meisten Mühlen haben zwei Ruten, also vier Flügel. Es gibt allerdings auch Mühlen mit fünf Flügeln, was aber recht selten ist. Früher wurden einige Mühlen nach Schäden eine gewisse Zeit nur mit einer Rute, also mit zwei Flügeln betrieben, was auch funktioniert.

Die meisten Mühlenflügel drehen sich im Uhrzeigersinn (vom Innern der Mühle, also hinter dem Flügelkreuz aus gesehen) bzw. außen von vorne gesehen gegen den Uhrzeigersinn. Nur bei wenigen Mühlen drehen sich die Flügel gegen den Uhrzeigersinn (vom Innern der Mühle gesehen bzw. außen von vorne gesehen im Uhrzeigersinn).



Flügelarten

Die Segelgatterflügel bestehen aus einen Gitterkreuz aus Latten, auf das ein Segeltuch gespannt wird, welches die Flügelfläche bildet. Dazu mußte der Müller jeden Flügel einzeln besteigen und das Segeltuch mit Leinen auf diesen spannen. Besonders im Winter war das unangenehm und gefährlich, wenn die Segeltücher beim Abnehmen durchnäßt und manchmal sogar vereist waren.

Die Größe der Segelfläche ist abhängig von der Windstärke: Je stärker der Wind weht, desto kleiner muß sie sein. Das heißt, wenn der Wind seine Stärke verändert, muß die Segelfläche erweitert bzw. verkleinert werden. Wird die Segelfläche bei zunehmenden Wind nicht rechtzeitig verkleinert, kann die Bremse zu heiß laufen und dadurch ein Brand ausgelöst werden.


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Segelgatterflügel unbespannt (Windmühle Grebin)


Die Jalousieklappenflügel sind wesentlich komfortabler und wurden zuerst bei den Holländerwindmühlen und später auch bei anderen Mühlenarten eingesetzt. Die Flügelfläche wird hier durch Jalousieklappen gebildet, die durch ein Verstellmechanismus quer zum Wind gestellt werden können. Der Vorteil ist hier, dass die Jalousieklappen auch während des Betriebes bei sich drehenden Flügeln verstellt werden können. Wenn der Müller seine Arbeit beendet hat, werden die Jalousieklappen wieder waagerecht gestellt. Die folgenden Bilder zeigen ein Beispiel der Windmühle Sventana:


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Jalousien quer zum Wind - Flügelfläche (links)
Jalousien senkrecht zum Wind - keine Flügelfläche (rechts)


Der Mechanismus zum Verstellen der Jalousien, der vorne aus dem Kopf der Flügelwelle herausschaut, wird auch Spinnenkopf genannt.


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Spinnenkopf bei der Windmühle Krokau


Kurt Bilau und Albert Betz entwickelten zwischen 1920 und 1924 einen neuen Flügeltyp, die Bilausche Ventikanten, was soviel wie Windkanten heißt. Die Flügelflächen bestehen aus zwei V-förmig zueinander liegenden Metallflächen, zwischen denen ein Spalt liegt. Die beiden Flügelflächen werden als Vorderheck und Hinterheck bezeichnet. Der dazwischen liegenden Spalt kann durch ein Verstellmechanismus geöffnet oder geschlossen werden. Ist der Spalt geschlossen, wirkt das Heck als Segelfläche, ist er geöffnet wirkt das Heck als Bremse. Der Vorteil war der bessere Wirkungsgrad, so dass sich die Flügel schon bei schwachem Wind drehten und Mahlsteine antreiben konnten. Der Nachteil war das hohe Gewicht der Flügel und der deutlich höhere Preis.


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Bilausche Ventikanten der Windmühle Nicola bei Schleswig


Dieser neue Flügeltyp war díe letzte große Neuentwicklung im Bereich der Windmühlentechnik, bevor später das Mühlensterben einsetzte. Bis zum Jahr 1950 wurde das Bilausche Flügelsystem öfter verwendet und fand bei etwa 140 Mühlen in Deutschland Anwendung, von denen heute nur noch zehn übrig geblieben sind. Weiterhin ist die im Jahr 2015 fertig aufgebaute Mühle "Nicola" bei Schleswig mit dem Bilauschen Flügelsystem ausgestattet.


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Bilausche Ventikanten der Windmühle Nicola bei Schleswig



Windrose

Im 18. Jahrhundert wurden viele Windmühlen mit einer Windrose nachgerüstet. Diese hat die Aufgabe, die Haube mit den Flügeln automatisch in den Wind zu drehen. Die Windrose ist so gebaut, dass sie sich stärker dreht, wenn der Wind senkrecht auf die Drehebene weht, also genau wie bei den Flügeln. Nur ist die Windrose um 90 Grad versetzt zu den Flügeln auf der gegenüberliegenden Seite der Haube angebracht. Über eine Kette und ein Getriebe wird die Haube so automatisch in den Wind gedreht, wenn sich die Windrichtung ändert.


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Windmühle Krokau mit der Windrose


Je nachdem, von welcher Seite der Wind auf die Windrose weht, dreht sie sich links- oder rechtsherum. Damit kann sich auch die Haube in die eine oder die andere Richtung drehen. Das Getriebe ist so gebaut, dass es beidseitig funktioniert, wodurch es auch recht komplex ist.


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Das Getriebe der Windrose für die Haubendrehung (Windmühle Krokau)


Die meisten Windrosen haben acht Blätter - es gibt aber auch Windrosen mit anderer Blätterzahl. Selten die sogenannten Doppelwindrosen.


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Eine Doppelwindrose (Windmühle Bönebüttel Husberg)



Bremse

Die Bremse dient dazu, nach der Arbeit die Fügelwelle zum Stillstand zu bringen oder zum Feststellen bei Nichtbetrieb. Auch wenn am Flügelwerk gearbeitet wird, z. B. bei Besegelung von Segelgatterflügeln, sollte unbedingt die Bremse angezogen sein, auch bei Windstille.

Die Bremse besteht entweder aus rund gesägten oder gebogenen Hölzern, die als Ring das Kammrad umschließen (Flämische Bremse), oder aus einem Eisenring, der das Kammrad umschließt (Band- oder Reifenbremse).


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Ein Eisenring um das Kammrad (Windmühle Schwensby)


Die folgende Abbildung zeigt die Flämische Bremse zunächst ohne Kammrad:


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Flämische Bremse


Die einzelnen gebogenen Holzblöcke sind durch Mondeisen miteinander verbunden. Bedient wird die Bremse mit einer Kette, die außen von der Kappe der Mühle herunterhängt. Die folgende Abbildung zeigt die gelöste Bremse, der Bremsbalken ist eingehakt und die Flügel können sich drehen.


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Bremse gelöst
Der Bremsbalken ist eingehakt und die Flügel können sich drehen


Zum Bremsen zieht man soweit an der Bremskette, dass der Bremsbalken ausgehakt wird und läßt danach die Kette langsam nach, wodurch der Bremsbalken langsam nach unten sinkt und die Bremse betätigt wird. Durch sein Gewicht zieht der Bremsbalken den Holzkranz gegen das Kammrad, welches dadurch abgebremst oder festgehalten wird. Die Flügel werden langsamer und kommen schließlich zum Stillstand.


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Bremse betätigt
Der Bremsbalken hängt nach unten und zieht durch sein Gewicht den Holzkranz an das Kammrad.


Um die Bremse zu lösen, zieht man solange an der Bremskette, bis der Bremsbalken wieder einhakt. Das Säbeleisen hat mehrere Bohrungen. Mit einem Bolzen wird das Säbeleisen mit dem Bremsbalken verbunden. Mit den verschiedenen Löchern kann der Hubweg des Bremsbalkens und damit die Bremse eingestellt werden.


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Flämische Bremse (Windmühle Krokau)
Hier sieht man den Holzkranz um das Kammrad und die Mondeisen


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Der Bremsbalken und das Säbeleisen (Windmühle Schwensby)


Durch zu schnelles Bremsen besonders bei hohen Drehzahlen der Flügel können die Bremsen sich stark erhitzen. Das kann soweit gehen, dass es zu einem Brand zuerst an der Bremse und schließlich der ganzen Mühle kommen kann. Überhitzte Bremsen waren früher oft der Grund für Mühlenbrände!



Der Windmüller

Viele der heute noch vorhandenen Windmühlen sind von Häusern umgeben, aber das war nicht immer so. Früher standen Windmühlen immer etwas abseits eines Dorfes, da sie möglichst frei stehen mußten. Die Müller hatten damals keinen besonders guten Ruf. Sie lebten in oder bei ihrer Mühle abseits des Dorfes und galten daher oft als Außenseiter. Keiner konnte ihre Arbeit einsehen oder kontrollieren und ihnen wurde oft Unehrlichkeit nachgesagt. Auch hatte der Müller keine festen Arbeitszeiten. Er konnte und mußte arbeiten, wenn genug Wind weht, dass der Mahlstein angetrieben werden konnte. So kam es vor, dass er auch nachts arbeitete, wenn die anderen in ihren Betten lagen.

In einem hatte der Müller aber eine sichere Position: Er galt als guter Wetterprophet. Im Laufe seines Arbeitslebens hatte er sehr viele Erfahrungen gesammelt, was das Wetter anging, denn damals gab es ja noch keine Wettervorhersagen.

Glück zu hieß und heißt auch heute noch der Müllergruß. Denn Glück brauchte der Müller besonders, war er doch in seiner Mühle ständig verschiedenen Gefahren ausgesetzt. Dazu zählt Bruchgefahr durch Sturm, Blitzschlag, Brand durch überhitzte Bremsen oder (bei Segelgatterflügel) Absturzgefahr beim Besegeln der Flügel sowie gebrochene Mahlsteine. Wenn ein Mahlstein bricht, was z. B. durch zu hohe Drehzahl passieren kann, fliegen die zerbrochenen Teile wie Geschosse weg.

Ausgebildet wurden die Müllergesellen in einer oder mehreren Mühlen. Nach Ende ihrer Lehrzeit gingen die freigesprochenen Müllergesellen auf Wanderschaft und zogen von einer Mühle zur nächsten, um dort nach Arbeit zu fragen. Der Müller entschied über den Antrag des Gesellen. Wenn es keine Arbeit gab, durfte der Geselle am Mittagessen teilnehmen und eine Nacht an der Mühle bleiben. Am nächsten Tag zog er weiter. Gab es Arbeit blieb er, was je nach Arbeitsanfall unterschiedlich lange sein konnte. Manchmal gab es nur Arbeit für Tage oder Wochen. Danach zog der Müllergeselle wieder weiter. So sammelte er im Laufe der Zeit immer mehr an Wissen und Erfahrung. Irgendwann ergaben sich auch langjährige Arbeitsverhältnisse und der Geselle wurde später selbst Meister und konnte die Mühle durch Kauf oder Pachtung übernehmen.



Flügelsprache

Durch Stellung der Mühlenflügel konnte der Müller verschiedene Aussagen machen. Stehen die Flügel z. B. in einer Schere (45 Grad) bedeutet dies, dass die Mühle momentan nicht in Betrieb ist (Feierabend oder Urlaub) und der Kunde braucht sich nicht dort hin zu bemühen.


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1. Tagesarbeit ist beendet oder Pause
Bei Segelgatterflügel mit gesetzten Segeln: Es ist gerade keine Arbeit da und Kunden werden sofort bedient.

2. Feierabend oder Mühle ist nicht in Betrieb. Das ist die normale Ruhestellung.

3. Freudenschere: Feier in der Familie des Müllers.

4. Trauerschere: Trauerfall in der Familie des Müllers.

Bei Gewitter wurden die Flügel oft in die Schere gestellt, weil der höchste Punkt dann etwa 2 Meter niedriger ist als im Kreuz; in der Hoffnung dass der Blitz nicht einschlägt.



Weitere Informationen

Im Internet findet man weitere Informationen zum Thema Windmühlen. Im folgenden habe ich einige Links zusammengestellt, wo man mehr über den Aufbau und der Funktion von Windmühlen erfahren kann.

Bei dem Verein Historische Mühlen im Selfkant e. V. findet man unter "Wissenswertes" einiges zur Funktion und dem Aufbau von Windmühlen. Darunter sind auch einige Dokumente als PDF, wo bestimmte Teile mit Fotos genauer beschrieben werden.


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Die Windmühle "Sventana" bei Ascheberg

© Copyright: 2017-2018 Mario Lehwald